+++ Berufliche Potenzialermittlung +++

BePo III – Soziale und Dienstleistungskompetenzen

Die Inwertsetzung fachlicher Kompetenz scheitert häufig bereits an kleinen sozial-kommunikativen Unzulänglichkeiten, welche den Ausbildungsabbruch nach sich ziehen können.

Eine tragfähige Balance zwischen Fachlichem und Zwischenmenschlichem ist erst über reflektiertes Arbeits- und Sozialverhalten erreichbar. Entsprechend verstärkt tritt in den letzten Jahren dieser Aspekt unter den Kompetenzerwartungen der Wirtschaft hervor.

Teamfähigkeit, Kommunikativität, Kundenorientiertheit, Höflichkeit und Freundlichkeit sowie Konfliktfähigkeit und Selbstkritik werden über unterschiedlich ausgerichtete Settings ermittelt. Dadurch lässt sich die durch situative Einflussgrößen generierte Variabilität bei subjektiven Einschätzungsverfahren reduzieren, um diagnostische Stabilität zu gewinnen.

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Setting A - Kognitiver PC-Test: Kundenorientierung
Mit dem Test zur Kundenorientierung wird jene Teilmenge der sozialen Kompetenzen ermittelt, die rein kognitiv vorhanden ist. Eine PC-Simulation betriebsalltäglicher Situationen über Bild und Ton – es handelt sich um Beschwerden von Kollegen, Vorgesetzten und externen Kunden – bieten den Testanden/-innen graduierte Lösungsoptionen an. Die Ergebnisse bilden ferner ein Grundlagenkomplement für den Abgleich von Selbst- und Fremdbild in D.

Über Foto und gesprochenen Text wird der Proband mit dem Vorwurf der Unpünktlichkeit konfrontiert. Dieser trifft eine Auswahl zwischen mehreren Reaktionsmöglichkeiten, um wie in diesem Beispiel Kritikfähigkeit und Korrekturbereitschaft erkennen geben zu können.

Berufspraktische Relevanz: Akzeptanz von Hierarchien; Kritisierbarkeit; Loyalität; Kundenempathie; Teamfähigkeit
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Setting B - Gruppendiskussion: Sozialverhalten
Die Interaktion mit vertrauten Beziehungen in einer Diskussion erlaubt Rückschlüsse auf Indikatoren sozialen Verhaltens. Im Rahmen einer zielorientierten Handlungssituation gilt es Entscheidungen im Interesse aller Beteiligten zu verhandeln.

Da das Kommunikationsverhalten von einem Ergebnisdruck beeinflusst ist, muss die Kollision zwischen Durchsetzung eigener und der Berücksichtigung anderer Wünsche ausgetragen werden.

Beispielhaft ist die Diskussion „Wohngemeinschaft“. Die Gruppenmitglieder sind beauftragt, eine für alle zufrieden stellende Aufteilung der Zimmer, des Mobiliars und der Reinigungsaufgaben zu erzielen. Das von allen unterzeichnete Ergebnis wird abschließend präsentiert.

Berufspraktische Relevanz: Konfliktfähigkeit; Toleranz; Durchsetzungsvermögen; Kompromissbereitschaft
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Setting C - Planspiel: Arbeitsverhalten
Im Unterschied zu Faktor B hat das Planspiel formelle Beziehungen durch Interaktion von Funktions- bzw. Aufgabenträgernim Beobachtungsfokus. In Handlungssituationen betrieblicher Arbeitsprozesse kommt es auf tragfähiges Arbeitsverhalten an. Zentrale Ermittlungsziele sind Interaktion und Selbstorganisationsfähigkeit in einem neuen Tätigkeitskontext. Die Aufgabenstellung ist daher zieloffen (divergent-handlungsorientiert) angelegt.

Auf einer großen jährlichen Betriebsfeier sollen Praktikanten eine Rolle für die Gestaltung des Abends mitübernehmen. Bei der Planung müssen sie neben eigenen Ideen Aspekte der Personalplanung, der Organisation und der Kostenkontrolle beachten.

Berufspraktische Relevanz: Kundenempathie; Arbeitssystematik; Problemlösekompetenz; Teamfähigkeit; Exaktheit / Sorgfalt; Selbstkompetenz (Äußerungen zur Mitwirkung)
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Setting D - Feedbackgespräch: Selbst- und Fremdbild
Das für Assessmentverfahren vielfach zum Qualitätskriterium erhobene Feedbackgespräch ist hier Bestandteil der Potenzialermittlung. Das Verfahren hat an dieser Stelle seinen sensibelsten Bereich, da vielen Schülern die Auseinandersetzung mit dem Feedback anderer, mit der Erfahrung „wie wirke ich auf andere?“ neu ist. Nachdem die Testanden zu ihren Eindrücken und Einschätzungen über das eigene Agieren befragt werden, bekommen sie die Ergebnisse des kognitiven Tests vorgelegt und interpretiert. Anschließend werden sie gebeten

1. eine Stellungnahme zur Interpretation abzugeben,
2. die Ergebnisse auf ihr Verhalten in Rollen- und Planspiel zu reflektieren,
3. das Verhalten der Gruppenmitglieder einzuschätzen und
4. das Ergebnis aus dem Planspiel zu bewerten.

Primäres Ermittlungsinteresse liegt in der Erfahrung von Selbstwirksamkeit auf seiten der Testanden. Sie leistet mitunter eine prognostische Aussagekraft zum beruflichen Integrationsverhalten, da sie Voraussetzung für Korrekturbereitschaft und Einsicht in Optimierungsmöglichkeiten ist.

Berufspraktische Relevanz: Kritisierbarkeit; Äußerung von differenzierter u.U. auch konstruktiver Kritik; Bereitschaft zur Selbstkorrektur