+++ Berufliche Potenzialermittlung +++

BePo I – Gewerblich-technischer Bereich

BePo I beruht auf einem Praxisteil, dem handwerklich-motorischen Eignungstest hamet2, Modul 1, sowie dem Theorieteil AZUBI-TH (Arbeitsprobe zur berufsbezogenen Intelligenz - Technische und handwerkliche Tätigkeiten). Das normierte eignungs- und förderdiagnostische Verfahren erfüllt die Testgütekriterien der Objektivität, Validität (Gültigkeit) und Reliabilität (Zuverlässigkeit). Die Testergebnisse beantworten die Frage nach Potenzialen zur Ausbildungsreife von jungen Menschen ab 14 Jahren für gewerblich-technische Berufe. Die Testergebnisse einer Testperson stehen im Vergleich zu den Ergebnissen ihrer Bezugsgruppe, hier zur Gruppe der Berufsschuleinmünder/innen (N = 1.440).

Bei der Ergebnisauswertung werden die Rohwerte zunächst in Staninewerte nach der Gaußschen Normalver-teilung, dann in 5 Profilwerte transformiert, um Verständlichkeit und Akzeptanz zu gewährleisten. Mehr Informationen zum Verfahren sind auf www.gkbev.de einsehbar.

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Praxisteil – Faktoren A - F
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A – Arbeitstempo bei Routinetätigkeiten
Einfache manuelle Routinetätigkeiten (Montage von Schraubensätzen, Foto, Sortieren von Registerkarten, vorlagengerechtes Falten von Servietten, zielsicheres Einfädeln von 120er Nähgarn durch 10 Textilnadeln Nr. 9) werden mit höchstmöglicher Geschwindigkeit verrichtet. Es gilt mit manuell feinmotorischem Geschick und möglichst fließenden Bewegungen zu arbeiten. Besonders die Einarbeitungsphase verlangt die zeitnahe Umsetzung einfacher Routinetätigkeiten, die kaum kognitive Anforderungen, doch Konzentrationsvermögen bei konstant hohem Arbeitstempo beanspruchen.

Darüber hinaus ist auch hier beim vorlagengerechten Falten von Servietten hohe Memorierfähigkeit gefragt, auf deren Grundlage die Abfolge kleinschrittiger Arbeitsprozesse zu erfolgen hat.
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B - Werkzeug- und Maschinensteuerung
Kleinwerkzeuge und Maschinen werden unter permanenter visueller Kontrolle an vorgegebenen Linien geführt. Dies erfordert Sicherheit und Gefühl im Einsatz der Arbeitsmittel.
Schneidmesser - Exakte Steuerung von Schneidwerkzeugen verlangt zügige und vor allem einfühlsame Bewegungen beispielsweise beim Zuschnitt von Stoffen, Teppichen oder Fliesen. Der Test liefert daher hohen Aussagewert über sensomotorische Fertigkeiten. (Maximale Fehlerzahl – 42)
Pinsel und Abtönfarbe erfordert gezielten Umgang mit flüssigen Arbeitsmitteln. Mit 6er Pinsel ist Abtönfarbe bis an die vorgedruckten Begrenzungen zu verteilen. (Maximale Fehlerzahl – 26)
Maschinensteuerung ist in Handwerksberufen universell. Beim Einsatz der Nähmaschine (Maximale Fehlerzahl – 48, Foto) geht es um die Koordination Fuß (Tempo) – Hand (Steuerung). Die berufspraktischen Bezüge gehen über Bohr- und Fräsmaschinen hinaus und reichen bishin zur Fahrzeugsteuerung.
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C - Augenmaß und Symmetrie
Symmetrische Ergänzungen und Wahrnehmungsgenauigkeit stellen bei Tätigkeiten ohne weitere Hilfsmittel (z.B. Messinstrumente) hohe Anforderungen an das rein optische Einschätzen und Ergänzen von Linienverläufen (Linien fortsetzen, maximale Fehlerzahl - 36), Abständen und Symmetrien. Warenauslage und -dekoration, prüfender Vergleich der Vorlage mit dem Druck, Fertigung von Werkstücken nach Zeichnung – diese Fertigkeiten werden durch das Ergänzen von halben Figuren über deren Symmetrieachse (Spiegelbilder, maximale Fehlerzahl - 34) oder durch Maßstab vergrößerndes Verteilen von Scheiben (Scheiben symmetrisch, maximale Fehlerzahl – 45, und Scheiben verteilen, maximale Fehlerzahl – 66, Foto) erfasst.
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D – Instruktionsverständnis am PC
Bedienungsanleitungen und Anweisungen müssen verstanden und inhaltlich richtig umgesetzt werden. Die Testperson führt diese Aufgaben am PC durch, der heute in jeder beruflichen Ausbildung und Tätigkeit zur Anwendung kommt.
Texteingabetempo (Zeitmessung) - Die Fertigkeit zu einfacher Texteingabe wird als selbstverständlich vorausgesetzt.
Telefonprogrammierung (Maximale Fehlerzahl – 18, Foto) – Elektronische Steuerung und Regelung von Kleingeräten sind nur mit Verständnis und Umsetzen von Bedienungsanleitungen möglich. In Arbeitsprozessen sowohl gewerblich-technischer wie auch kaufmännischer Richtung nimmt diese Anforderung zu. Das Telefon ist unter genauer Befolgung der Anleitung zu pogrammieren.
CNC-Programmierung (Maximale Fehlerzahl – 176) – Korrektur und Steuerung von Dreh- und Fräsmaschinen via CNC-Technik beansprucht ein Grundverständnis für den Aufbau der Programme. Dabei kommt es darauf an, den Weg des Werkzeugs nach der Koordinateneingabe und unter Verständnis von Zweidimensionalität zu erfassen.
Datenkontrolle und -korrektur (Maximale Zeit + Fehlerstrafpunkte – 7200) – Kundenbestelldaten müssen am PC im ständigen Abgleich von Bestellliste, Warenliste und Eintragungen in der Eingabemaske kontrolliert, korrigiert bzw. ergänzt werden.
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E – Grobmotorische Werkzeugsteuerung
Werkzeuge wie Raspel, Feile, Schlosserhammer sindunter Einsatz des ganzen Körpers zu führen. Es kommt auf den gezielten und sicheren Einsatz an, um exakt definierte Ergebnisse zu erreichen.
Draht biegen (Maximale Fehlerzahl - 43) - In der Metallverarbeitung müssen Werkstücke nach Vorlage bearbeitet werden. Werkzeughandhabung und koordinierte Abfolge von Arbeitsschritten geben den Ausschlag. Ein 3mm-Kupferschweißdraht muss in einem Schraubstock zu einem Haken in s-Form gebogen werden, was neben technischem Verständnis auch räumliches Vortellungsvermögen verlangt.
Fisch feilen (Maximale Fehlerzahl - 55) - Wenn Maschineneinsatz aus wirtschaftlichen und/oder fertigungstechnischen Gründen nicht in Frage kommt, sind Bearbeitung bzw. Fertigung von Werkstücken häufig nur mit hohem Krafteinsatz und Ausdauer zu bewerkstelligen. Aus einem zugeschnittenen Stück Spanholz muss eine darauf aufgezeichnete Figur genau auf Anriss und im genauen Winkel herausgearbeitet werden.

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F – Messgenauigkeit und Winkelanschlag
In nahezu allen handwerklichen Berufen sind Kenntnisse von Maßstäben und Winkeln sowie die Handhabung von Anschlag- bzw. Flachwinkeln unerlässlich. In Holz-, Metall- und Bauberufen wird Messen mitunter als Kulturtechnik bezeichnet.
Maße (Maximale Fehlerzahl – 36) - Gefordert ist ein Verständnis von Maßeinheiten und deren sorgfältiges, millimetergenaues Einmessen mittels Lineal und Bleistift.
Einzeichnen (Maximale Fehlerzahl – 30, Foto) und Einmessen rechter Winkel (Maximale Fehlerzahl – 30): Um z.B. die exakte Position einer Bohrung zu bestimmen, muss von Punkten der x- und y-Achse der Schnittpunkt bestimmt werden. Genaues Anlegen eines Maßstabs bei gleichzeitiger Markierung mit Bleistift verlangen sorgfältiges Arbeiten und hohe Präzision.
Theorieteil
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Die Messung der kognitiven Teilmenge gewerblich-technischer Anforderungen erfolgt über praxisnahe Arbeitsproben. Auf dieser Grundlage werden vier Fähigkeitsbereiche erfasst, die allesamt ein Verständnis für handwerklich- technische Fragestellungen erfordern.
Räumliches Vorstellungsvermögen erfassen die Aufgaben ‚Bleche fertigen’ und ‚Holzteile sortieren’, indem auf einer Mustervorlage „Ausreißer“ bestimmt werden müssen.
Die Grundrissberechnung wird anhand von Abbildungen mit Maßangaben, um bspw. die erforderliche Quadratmetermenge von Bodenfliesen zu ermitteln, durchgeführt.
Die Technische Problemlösung (Abbildung) erfolgt über Abbildungen technischer Geräte und Vorgänge unter Angabe einer Problemstellung.
Die Textkorrektur trägt den steigenden Anforderungen an Rechtschreibkompetenz im gewerblich-technischen Bereich Rechnung. Ein betriebsüblicher Hinweistext zum Arbeitsschutz muss orthografisch überarbeitet werden.